Nahtoderfahrung bei Bewußtlosigkeit
Aus Magie und Parawissenschaften
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Nahtodeserfahrungen im engeren Sinne sind diejenigen Erfahrungen, die auftreten, während der Körper in einem lebensbedrohlichen Zustand ist und der Betreffende aus Sicht der Beobachter bewusstlos erscheint. Statistische Angaben zur Häufigkeit der einzelnen Elemente beziehen sich im weiteren Text, wenn nicht anders gesagt, immer auf Nahtodeserfahrungen im engeren Sinne. | Nahtodeserfahrungen im engeren Sinne sind diejenigen Erfahrungen, die auftreten, während der Körper in einem lebensbedrohlichen Zustand ist und der Betreffende aus Sicht der Beobachter bewusstlos erscheint. Statistische Angaben zur Häufigkeit der einzelnen Elemente beziehen sich im weiteren Text, wenn nicht anders gesagt, immer auf Nahtodeserfahrungen im engeren Sinne. | ||
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+ | == Die einzelnen Elemente == | ||
+ | Moody benannte neun Elemente, die das Todesnähe-Erlebnis charakterisieren, Ring teilte nur in fünf Elemente auf, während Högl, indem er sich nach Moodys Beschreibung in seinem ersten Buch richtet, gleich 15 nennt. Die Unterschiede in der Zahl der Elemente ergeben sich dadurch, dass manche mehrere Elemente zusammenfassen während andere sie sehr fein auseinanderdifferenzieren. Außerdem kann man Nachwirkungen von Nahtodeserfahrungen je nach Betrachtung entweder als Elemente der Erfahrung zählen oder nicht dazuzählen. Komplette Todesnähe-Erlebnisse mit sämtlichen Komponenten sind sehr selten. Viele Menschen erleben nur ein oder zwei Elemente, andere fünf oder sechs.<ref group="M" name="S.18-23"/> <ref group="H" name="S.37"/> <ref group="M1" name="Kapitelüberschriften"/> | ||
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+ | === Skriptelemente === | ||
+ | ==== Außerkörperliche Erfahrung ==== | ||
+ | Im Rahmen von Nahtodeserfahrungen haben die Betroffenen oft das Gefühl über ihrem Körper zu schweben und zu beobachten was geschieht.<ref group="M" name="S.25"/> <ref group="Sa" name="S.43ff"/> <ref group="F" name="S.25ff"/> | ||
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+ | * Aus einem Nahtodeserlebnis eines ostdeutschen Mannes LA.von 19 Jahren (im Jahr 1973) bei einer Bauchschussverletzung an der DDR-Grenze: "Dann habe ich die ganze Situation von oben gesehen und bin über das Gelände geschwebt. Ich habe 4 Soldaten gesehen, die sich an mir zu schaffen machten. Sie haben mich getreten und weggetragen."<ref group="S" name="1.5" /> | ||
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+ | Siehe Hauptartikel [[Außerkörperliche Erfahrung mit Beobachtung der materiellen Erde]] | ||
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+ | ==== Hören der Todesnachricht ==== | ||
+ | In seinem ersten Buch schrieb Moody, dass ihm zahlreiche Menschen mitgeteilt hätten, wie sie für tot erklärt worden seien.<ref group="M1" name="S.33f"/> | ||
+ | * Ein junger Mann, der nach einem Autounfall für tot gehalten worden war, bemerkt: "eine Frau, die dabeistand, hörte ich sagen: 'Ist er tot?' und jemand anderer gab zur Antwort: 'Glaube ja'."<ref group="M1" name="S.34f"/> | ||
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+ | Allerdings gibt es ebenso einige Fälle, wo die Betroffenen zuerst nicht erkennen, dass ihr höchst sonderbares Erlebnis etwas mit dem Sterben zu tun hat.<ref group="M" name="S.23f"/> | ||
+ | * Moody schreibt: Ein anderer, der durch einen schrecklichen Unfall zwei Gliedmaßen verloren hatte, erinnerte sich, er sei eine ganze Weile über seinen eigenen auf dem Operationstisch liegenden Körper geschwebt und habe diese verstümmelte Person bedauert, bis er endlich erkannte, dass er selbst da lag!<ref group="M" name="S.23f"/> | ||
+ | * Ritchie wunderte sich während eines ausführlichen außerkörperlichen Erlebnisses im Rahmen seiner Nahtodeserfahrung geraume Zeit, warum Leute durch ihn hindurchgingen ohne ihn zu sehen und warum er hoch über dem Boden in einer unglaublichen Geschwindigkeit dahinfliegen konnte bis ihm aufging, dass sein Erlebnis etwas mit dem Tod zu tun haben musste.<ref name="Ritchie"/> | ||
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+ | Daneben gibt es auch noch die Variante, dass das Wissen über den Tod als eine Art Intuition kommt.<ref group="M" name="S.24"/> | ||
+ | *"Zunächst auch in diesem Zustand große Verwirrung: Die Gedanken schossen mir so durch den "Kopf". Aber es war nicht der physische Kopf, der sich mit meinem Körper ja noch auf dem Operationstisch befand. "Bist du schon tot oder was ist dies für ein Zustand?" "Wenn dieser Bewusstseinszustand einfach so verschwindet, ist das dann der Tod?" Dieser Zweifel wich dann aber der festen Überzeugung, dass ich weiterlebe, in welcher Form auch immer. Auch jetzt wieder dieses Gefühl der Ruhe, des In-sich-Ruhens, des Friedens. Es gab kurze Augenblicke des Gefühls, dass sich alle Probleme, Fragen, Gegensätze einfach auflösen, dass ich einfach alles verstehe, eine Art "Allwissen" habe. Leider habe ich davon nichts behalten."<ref name="5.1.1" group="I"/> | ||
+ | *"Und plötzlich kam ich wieder zu Bewusstsein. Ich fühlte mich von einem beängstigenden, bedrückenden, einengenden Zustand befreit. ... Erleichtert nahm ich das wiedererlangte Bewusstsein wahr: 'Ich überlebte den Zusammenstoß' - das war mein erstes Empfinden. Doch mein 'Erwachen' war nicht wie erwartet, da ich sogleich deutlich spürte: JETZT STERBE ICH."<ref group="O" name="5.3.1"/> | ||
+ | Obgleich der Erlebende im zweiten Fall nicht von weiterleben spricht, beschreibt er das Sterben im weiteren Verlauf als eine Weiterexistenz nach dem Tode, während der erste Erlebende diese Weiterexistenz als "weiterleben" bezeichnet.<ref name="5.1.1" group="I" /> <ref group="O" name="5.3.1" /> | ||
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+ | Das Wissen, dass das Erlebnis etwas mit dem Tod zu tun hat tritt je nach Untersuchung in unter 10% bis 92% der Fälle auf.<ref group="L" name="1.1"/> <ref name="2.2"/> <ref group="Sa" name="S.271"/> | ||
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+ | ==== Dunkelheit / Tunnelerfahrung ==== | ||
+ | [[Datei:The Ladder of Divine Ascent Monastery of St Catherine Sinai 12th century.jpg|miniatur|Künstlerische Darstellung einer Leiter zum Himmel]] | ||
+ | Ein großer Teil der Betroffenen beschreibt den Wechsel von der alltäglichen Wahrnehmung vom Außerkörperlichen Erlebnis zur "eigentlichen" Nahtoderfahrung in Form eines Übergangs, der am häufigsten als Durchgang durch einen Tunnel beschrieben wird, an dessen Ende helles Licht zu sehen ist.<ref group="M" name="S.26"/> <ref group="H" name="S.57"/> | ||
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+ | *"Ich befand mich wie auf einer Ebene, die wie eine Bühne aussah und in der hinteren rechten Ecke eröffnete sich ein Tunnel oder eine Röhre aus welcher ein Licht in einer Dimension erstrahlte, wie man es nicht oder schlecht beschreiben kann."<ref group="S" name="1.5"/> | ||
+ | *"Ich ging durch einen dunklen Tunnel mit blitzenden Lichtern auf ein helles Licht zu."<ref group="H" name="S.58-59"/> | ||
+ | *"Ich erinnere mich, dass ich in einer Art Tunnel war und auf eine helles Licht am Ende des Tunnels zuschoß. (...) eine Art grauer Pipeline mit Farben wie rote und goldene Lichtstrahlen"<ref group="N" name="748."/> | ||
+ | *"...die Wände waren schwarz, und ich versuchte, sie überall zu berühren. Aber es gelang mir nicht..."<ref group="H" name="S.58"/> | ||
+ | *"Der Tunnel sah lebendig aus, ein lebender Organismus überwiegend in Pastellfarben..."<ref group="H" name="S.58"/> | ||
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+ | Gelegentlich verwandelt sich der Tunnel in etwas anderes. | ||
+ | *"Es war wie das Durchtauchen eines Brunnenschachtes, an dessen Ende sich eine Wiese befand."<ref group="O" name="5.3.4"/> | ||
+ | *"Dann erinnere ich mich an eine schwarze Röhre die dann ein mit Ziegel gemauerter Tunnel wurde und an den Wänden hingen alte Ölgemälde auf denen Stationen meines Lebens abgebildet waren. Während ich durch den Tunnel auf allen "Vieren" kroch, hatte ich das Gefühl von einer schier untragbaren Last erdrückt zu werden. Am Ende des Tunnels konnte ich ein schwaches sehr helles Licht erkennen."<ref group="N" name="728."/> ' | ||
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+ | In anderen Fällen wird die Tunnelerfahrung in ihrer Funktion durch eine Treppe, Leiter oder einen schnellen Aufstieg zum Himmel ersetzt.<ref group="M" name="S.26f, S.30"/> | ||
+ | *"Unter uns lag der wunderschöne Pazifische Ozean, über dem ich aufgeregt die Sonne auf und untergehen gesehen hatte, während der wenigen Tage, die ich hier gewesen war. Aber noch eine größere Pracht zog meine Aufmerksamkeit nach oben, wo eine Öffnung zu einer Wendeltreppe führte. Obwohl es noch sehr weit zu ihrem Ende schien, strahlte ein weißes Licht in die Dunkelheit der anderen Seite, wo die Öffnung lockte."<ref group="N" name="1031."/> | ||
+ | * Ein Kind sagte Moody in einem Gespräch, es habe gefühlt, wie es hoch über die Erde aufgestiegen, zwischen den Sternen hindurchgeflogen und oben bei den Engeln angelangt sei.<ref group="M" name="S.30"/> | ||
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+ | ==== Jenseitsvisionen ==== | ||
+ | [[Datei:Mohammed´s Paradise.jpg|thumb|"Mohammeds Paradies," eine seltene Miniatur aus dem Band 'Die Geschichte des Mohammed', hergestellt in Persien, vermutlich im Jahr 1030. (Wiewohl vom Stil her erheblich später als auf das 11. Jahrhundert zu datieren.) Befindet sich heute in der Bibliotheque Nationale Paris. Es ist nicht klar, welche Figur Mohammed sein soll. Mohammed ist entweder der Mann mit dem grünen Turban; oder, wohl eher, ist dieser Mann Abu Bakr und Mohammed ist durch die Figur dargestellt, die vollständig in einer goldenen Flamme eingehüllt ist. Möglicherweise ist er jedoch auch mit einer andere Figur auf einem anderen Teil des Bildes zu identifizieren.]] | ||
+ | [[Datei:Heidelberg cpg 144 Elsässische Legenda Aurea 338r St. Patricks Fegefeuer.jpg|thumb]] | ||
+ | In vielen Kulturen wird von Nahtodeserlebnissen berichtet, in denen von einer Art Jenseits die Rede ist. Dieses besteht überall aus einer Art Unterwelt, deren Landschaften und Bewohner sich nur in Details unterscheiden. Diese dunklen, bedrohlichen Bereiche sind und waren die Orte der Prüfung und Bestrafung, aber auch des Durchgangs in eine bessere, himmlische Welt. Auch letztere wird in nahezu allen Religionen in Form von unterschiedlichen Paradieslandschaften beschrieben. Erlebnisse in einer Inneren Welt, im Paradies, in eine überirdische, jenseitige Welt oder das Erreichen einer Grenzzone einer solchen Welt traten je nach Studie in einem Zehntel bis zwei Drittel der Nahtodeserlebnisse auf.<ref name="1.5" group="S" /> <ref name="1.9" group="S" /> <ref group="M" name="S.22 + S.39"/> | ||
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+ | Der Eintritt in eine überirdische, jenseitige Welt kommt in 63%-10% der Nahtodeserfahrungen vor, in der Hälfte bis einem Viertel dieser Fälle erreichen die Betroffenen eine Grenze. Ein Viertel bis 3% der Jenseitserfahrungen enthalten die Wahrnehmung einer Höllenartigen Welt, in 3/4 bis fast allen Fällen handelt es sich um eine himmlische Welt. Das Zahlenverhältnis zwischen positiven und negativen Nahtodeserfahrungen variiert kulturabhängig.<ref group="L" name="1.1" /> <ref name="1.5" group="S" /> <ref name="1.14" group="K2">[http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-6630 Hubert Knoblauch: ''Todesnäheerfahrungen. Zur kulturellen Prägung und anthropologischen Erklärung einer außergewöhnlichen Erfahrung.'' Berlin: 2007]</ref> <ref name="1.19" group="S" /> <ref group="M">S.35-41, S.22</ref> | ||
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+ | Paradiesartige Welten | ||
+ | * Es war wie das Durchtauchen eines Brunnenschachtes, an dessen Ende sich eine Wiese befand. Blumen, Blüten, Farben von nie erlebter Vielfalt und Pracht. Töne, die einer himmlischen Musik glichen und das Gefühl einer nie erlebten Glückseligkeit auslösten. Über allem ein Himmel aus blendfreiem, unvorstellbarem Licht, wie man es nicht einmal nach einer Schilderung erahnen kann. Ich versuchte meinen Arm unter den Kopf zu legen, als ich mich liegend auf dieser Wiese fand, aber es schien dafür keinen Arm zu geben. Es beunruhigte mich nicht im mindesten, denn ich fühlte mich so euphorisch, dass alles andere dahinter zurücktrat.<ref name="5.3.4" group="O" /> | ||
+ | *"Ich kam in einen Garten, der in wunderschönen Farben schillerte, die ich aber nicht beschreiben kann. Es war pastellfarbenartig, obwohl diese Beschreibung nicht zutrifft. (...) Da der Garten lichterfüllt war, suchte ich nach einer Sonne oder einer anderen Lichtquelle, aber wohin ich auch schaute, stand ich im Licht selbst." <ref group="H">S.64</ref> | ||
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+ | Höllenvisionen | ||
+ | *"Das zweite Erlebnis verlief anders, ich stieg abwärts! Unten war es finster, die Menschen jammerten, [da war] ein Feuer, sie wollten Wasser zu trinken... Dann kam jemand zu mir, schob mich zur Seite und sagte: «Du kommst nicht hierher. Du gehst wieder hoch. (...)"<ref group="M">S.39-40</ref> | ||
+ | * Ich befand mich in einem engen und finsteren Tal, ohne auch nur eine Spur von einem Weg zu finden. Mühsam stieg ich über Steine und Geröll. Kantig, schmutzig weiß, wie ausgeblichen, lagen sie überall herum. (...) Von einem Kind, dass einen misshandelten kleinen Hund auf dem Arm trug, den es "Leid" nannte, wurde ich eine Wegstrecke begleitet und darüber aufgeklärt, wo ich mich befand. Es war das Tal der Tränen. Was aus den dunklen Wolken herabregnete, waren Tränen der Trauer, der Verzweiflung, der Reue und der Aufarbeitung alter Schuld durch den Übergang von einer in die andere Daseinsebene und dienten der Läuterung.<ref name="5.3.4" group="O" /> | ||
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+ | ==== Begegnung mit anderen ==== | ||
+ | In jeder Phase einer Nahtodeserfahrung sind Begegnungen mit Verwandten, religiösen Gestalten und Verkörperungen des Todes wie dem Sensenmann oder dem indischen Totengot Yama möglich.<ref group="K1" name="S.50-55"/> <ref group="Sa">S.69-73</ref> <ref group="H">S.56-57</ref> <ref name="1.24"/> | ||
+ | *"Bevor ich auf die Barriere auf dem Mittelstreifen traf, sah ich mein Leben vor meinen Augen aufblitzen, mein Engel erhob mich aus dem Auto..."<ref group="H">S.56</ref> | ||
+ | * Sie erwähnte, rings um den Himmel habe es eine Grenze gegeben, über die sie nicht hinwegschauen konnte. Sie habe viele Menschen getroffen, darunter ihre toten Großeltern, ihre verstorbene Tante mütterlicherseits und Heather und Melissa, zwei Frauen, die darauf warteten, wiedergeboren zu werden.<ref group="M">S.79</ref> | ||
+ | * Ein anderer traf in seinem Nahtodeserlebnis: "Meine verstorbene Mutter, meinen Großvater, die Tochter meines Freundes, meinen Mann, der gestorben ist ... meinen kleinen Hund ... einen lange verstorbenen Märtyrer-Heiligen aus meiner Abstammungslinie..."<ref group="H">S.61</ref> | ||
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+ | Der häufigste Inhalt von Totenbettvisionen ist, dass jemand kommt, um den Sterbenden abzuholen. In Amerika waren das hauptsächlich nahe Verwandte, in Indien eher religiöse Gestalten, unter anderem Yamduts, die Diener des indischen Totengottes [[Yama (Todesgott)|Yama]]. Ähnlich wie in indischen Nahtodeserfahrungen der heutigen Zeit wurden die Sterbenden auch in den von [[Gregor der Große|Papst Gregor dem Großen]] gesammelten Totenbettvisionen und Nahtodeserfahrungen meist von religiösen Gestalten wie den Aposteln und selten von Verwandten oder Freunden abgeholt.<ref group="Os">S.67, 69, 81, 93</ref> <ref name="Gregor"/> | ||
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+ | [[Datei:Mort.jpg|thumb|[[Sensenmann|Personifizierte Darstellung des Todes als Skelett]]]] | ||
+ | In den von Osis und Haraldson untersuchten Totenbettvisionen aus Indien und Amerika war die prozentuale Häufigkeit von Personen, die den Sterbenden wegholen wollten fast gleich groß und lag bei 77% und 78%. Dagegen variiert die Art der Erscheinungen abhängig von der Kultur. Amerikaner hatten fünf mal so viele Erscheinungen von Verstorbenen (66%) wie von religiösen Figuren (12%), während Inder viel öfter religiöse Figuren (48%) wahrnahmen als Verstorbene (28%). dass der Sensenmann in Nahtodeserfahrungen aus dem deutschsprachigen Raum auftritt, während er aus amerikanischen Nahtodeserfahrungen nicht bekannt ist, deutet darauf hin, dass diese Kulturabhängigkeit der Art der Erscheinung auch auf Nahtodeserfahrungen zutrifft.<ref group="Os">S.125</ref> <ref group="K1" name="S.50-55"/> | ||
+ | *"Rechts von mir stand die Schwester Ulrika (eine inzwischen seliggesprochene Frau) an meinem Bett. Ich habe sie glasklar gesehen, genau so, wie ich sie von den Bildern her kannte. Und dann links von mir stand der – der Fritze, also das Totengestell, den Sensenmann oder wie immer Sie ihn nennen wollen."<ref group="K1">S.53</ref> | ||
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+ | Andererseits gibt es jedoch Nahtodeserfahrungen und Totenbettvisionen in denen der Erlebende Dinge über die gesehenen Toten erfährt, von denen er auf andere Weise nicht erfahren haben kann. Fälle in denen der Betroffene während einer Nahtodeserfahrung vom Tod eines Angehörigen erfährt, werden in der Literatur "Peak of Darien"-Fälle genannt.<ref group="L" name="1.18"/> <ref name="Cook"/> <ref group="K" name="3.5.4"/> | ||
+ | * Ich sah einen Mann, der mich liebevoll anschaute, den ich aber nicht kannte. Am Sterbebett meiner Mutter gestand sie mir, dass ich aus einer außerehelichen Beziehung geboren wurde, mein Vater sei ein Jude, der während des Zweiten Weltkrieges deportiert und getötet wurde, und meine Mutter zeigte mir sein Foto. Es stellte sich heraus, dass dieser unbekannte Mann, den ich vor Jahren während meiner Nahtod-Erfahrung gesehen hatte, mein leiblicher Vater war.<ref name="1.17"/> <ref group="L" name="1.18" /> | ||
+ | * Ein Fall aus Melanesien: Ein Angehöriger der Kaliai-Volksgruppe schien tot zu sein, so dass die Angehörigen bereits die Bestattungsfeierlichkeiten geplant hatten, als bei dieser Vorbereitung eine Frau verstarb. Genau sie trifft der Scheintote in seiner Erfahrung zunächst an: "Als ich starb, war da eine Frau, die noch nicht gestorben war. Sie kochte Essen und verteilte es. Als ich aber starb, traf mein Geist den ihren am Weg." Nachdem er durch eine Stimme zurückgeschickt wurde, passierte folgendes: "Aber ich sah die Frau, die ich am Weg getroffen hatte. Ich wollte ihr zurufen: 'He, komm zurück!', doch ich konnte es nicht, denn das Haus drehte sich im Kreis..."<ref group="H">S.95</ref> | ||
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+ | Neben Begegnungen mit Toten kommt es auch vor, dass Lebende in Nahtodeserfahrungen auftauchen. So wurde Jean in folgender Erfahrung von ihrem lebenden Geliebten gerufen:<ref group="F">S79, S.105</ref> | ||
+ | * Ich erinnere mich, wie ich in einem sehr hellen Tunnel trieb, alles schien so ruhig und friedvoll. Am Ende des Tunnels streckte mein Vater, der vor einigen Jahren gestorben war, seine Hände nach mir aus und rief, dass ich kommen solle. Wie ich sagte, war das Gefühl der Ruhe unbeschreiblich. Ich hörte Musik und dort war ein wunderbarer Duft. Ich hielt ein paar Fuß, bevor ich meinem Vater erreichte, an und hörte dann, wie mich jemand rief. Ich drehte mich um und sah sein Gesicht am anderen Ende des Tunnels. Es war Fabio.<ref group="F">S.105; Übersetzung von [[Benutzer:Kersti Nebelsiek]]</ref> | ||
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+ | In von den von Fenwick gesammelten Fällen begegneten 40% Fremden, 33% sahen religiöse Figuren. In 38% kam es zu Begegnungen mit Bekannten. Von denjenigen die während einer Nahtodeserfahrung Bekannten begegnet sind, sahen 50% einen toten Verwandten, 9% einen toten Freund und 38% jemanden, der noch am Leben war.<ref group="F">S.79</ref> | ||
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+ | ==== Lichtwesen ==== | ||
+ | [[Datei:Paradiso Canto 31.jpg|thumb|Darstellung des göttlichen Lichtes]] | ||
+ | In 40-77% der Nahtodeserfahrungen begegnet die Person einem höheren Lichtwesen. In 10%-18% der Nahtodeserfahrungen tritt der Betroffene in das Licht ein und in etwa 23% der Nahtodeserfahrungen findet eine Kommunikation mit dem Lichtwesen statt.<ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.19" /> <ref group="M">S.22, S.28-29, S.35-41, S.187</ref> <ref group="H" name="S.66-67"/> | ||
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+ | *"Als ich mich weiterbewegte wurde mir ein helles extrem weißes Licht bewusst. (...) Das Licht strahlte ein Gefühl höchster Liebe aus, es war überwältigend. Ich könnte sagen, dass ich früher schon dort gewesen war und so glücklich war, wieder heimzukommen. Das Verstehen geschah durch augenblickliches anteilnehmen."<ref group="H">S.67</ref> | ||
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+ | * Ich wandte mich von der Unfallstelle ab, da sie mich nicht weiter interessierte. Ich wollte wegfliegen, und . . schon flog ich. Alles war beruhigend, harmonisch, wunderschön. Die Töne, die Lichtspiele wurden immer stärker, immer voller und überfluteten mich und meine ganze Umgebung. Ich spürte deutlich eine harmonische Schwingung. Dann sah ich die Sonne irgendwo rechts oben. Ich weiß nicht warum, aber ich sah sie rechts oben pulsieren und nicht direkt über mir. Ich flog deshalb in diese Richtung weiter. Die Sonne wurde immer lichter, immer strahlender, immer pulsierender. Ich verstehe heute, warum so viele Menschen und Religionen die Sonne als Gottessymbol auffassen oder sogar einen Sonnengott verehren.<ref group="O" name="5.3.1" /> | ||
+ | *"...Ich traf Gott....Gott war ein Wesen aus Licht. Ich weiß nicht ob es religiös war oder nicht. Dort gibt es keine Religion. Nur Reinheit und Licht."<ref group="H" name="S.69"/> | ||
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+ | Das Licht wird oft als unvorstellbar hell oder tausendmal heller als die Sonne beschrieben, aber es blendet trotzdem nicht. In der Regel zeigt die Begegnung aber deutliche Auswirkungen auf die emotionale Lage. Nicht zuletzt deshalb kann hier vom zentralen Moment der Nahtoderfahrung gesprochen werden, bei dem auch die religiöse Prägung am deutlichsten ausfällt. Wer immer es auch sein mag, dieses Wesen strahlt grenzenlose Liebe und Verständnis aus - so sehr, dass die meisten immer in seiner Nähe bleiben möchten. Dagegen ist nicht in allen Fällen von einer Wesenhaftigkeit der Erscheinung die Rede und sie ist auch nicht immer mit einer Lichtwahrnehmung gekoppelt.<ref group="M" name="S.28-29"/> <ref group="H" name="S.66-67"/> | ||
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+ | Das Licht wird von den Erlebenden entsprechend der ihnen bekannten Religionen manchmal mit der Sonne, Gott, Engel oder als Widerspiegelung des allerhöchsten Bewusstseinszustandes des Menschen identifiziert. | ||
+ | <ref group="K" name="3.5.7">Hubert Knoblauch & Ina Schmied: ''Berichte aus dem Jenseits. Eine qualitative Studie zu Todesnäheerfahrungen im deutschsprachigen Raum.''</ref> <ref group="L" name="1.1" /> <ref name="1.2" /> <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="M" name="S.28-29"/> <ref group="H" name="S.69"/> | ||
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+ | Laut Schröter-Kuhnhardt führen Nahtodeserlebnisse zu einer Verschmelzung mit eigenen Selbst-Anteilen, die vielleicht in ihrer höchsten Form bildhaft von dem Lichtwesen repräsentiert werden.<ref group="S" name="1.6" /> <ref group="S" name="1.9" /> | ||
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+ | ==== Lebensrückschau ==== | ||
+ | Als Lebensrückblick, Lebensfilm, Lebens-Reminiszenz, Lebens-Revue oder Lebensrevision wird es bezeichnet, wenn während des Nahtodeserlebnisses Ereignisse aus der eigenen Vergangenheit vor dem inneren Auge ablaufen. Diese Phase des Nahtodeserlebnisses tritt etwa in einem Drittel der Berichte über Nahtodeserfahrungen auf.<ref group="S" name="1.5" /> <ref group="M">S.29f</ref> | ||
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+ | In Nahtodeserfahrungen von vor Beginn der Neuzeit oder aus Ländern der Dritten Welt wie Indien wird der Lebensfilm meist durch eine Bewährungsprobe, eine Gerichtsszenerie oder ein Lebensbuch ersetzt.<ref group="S" name="1.6" /> <ref group="S" name="1.8" /> <ref group="S" name="1.9" /> <ref group="F">S.159ff</ref> | ||
+ | : Siehe Hauptartikel [[Lebensbilderschau]] | ||
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+ | ==== Grenze ==== | ||
+ | [[Datei:Paradiselubok.jpg|thumb|Eine Mauer um den Himmel]] | ||
+ | In 8-29% der Nahtodeserfahrungen taucht im Jenseits eine Grenze, Mauer oder ähnliches auf, die der Experiencer nicht überschreiten darf, wenn er nicht endgültig sterben soll.<ref group="L" name="1.1" /> <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.19" /> <ref group="M1" name="S.81"/> | ||
+ | * Ich "starb" durch einen Herzstillstand. Als ich im Sterben lag, fand ich mich auf einmal in einem wogenden Kornfeld wieder. Es war wunderschön, alles leuchtend grün - von einer Farbe, wie es sie hier auf erden nicht gibt. vor mir auf dem Feld erblickte ich einen Zaun und schickte mich an, auf ihn zuzugehen. Da sah ich einen Mann sich von der anderen Seite her ebenfalls dem Zaun nähern, als ob er mir entgegenkäme. Ich wollte zu ihm hingehen, doch merkte ich auf einmal, wie ich unaufhaltsam zurückgezogen wurde. gleichzeitig sah ich auch ihn umkehren und sich vom Zaun weg in die andere Richtung bewegen.<ref group="M1" name="S.81"/> | ||
+ | * Irgend etwas stand mir bei, durch diesen Tunnel hochzukommen. Als ich an seinem Ausgang anlangte, hatte ich eine wunderschöne Aussicht: Vor mir lagen lauter Blumenwiesen, und rechts von mir lief eine hübsche Straße, und die Bäume waren bis zur halben Höhe weiß angestrichen, und ein weißer Zaun war auch da. Es war wunderschön. Und auf der Wiese ganz rechts waren die phantastischsten Pferde, die ich je gesehen hatte. (...) So redete ich also mit diesem Licht und wanderte zu diesen Pferden hinüber. Und gerade hatte ich das Bein über den obersten Querbalken des Zauns geschwungen und wollte auf die Pferdeweide, als so eine Stimme aus dem Nichts sagte: 'Was macht sie denn da?' Und das Licht antwortete: 'Sie will zu den Pferden.' Und die Stimme sagte: 'Das geht nicht. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Sie muss zurück: In dem Moment umklammerte ich den Querbalken, weil ich nicht zurückwollte. (...) Und dann haben die Stimme und das weiße Licht noch ein wenig miteinander gesprochen und beschlossen, dass ich zurückkehren müsse. Da rastete ich völlig aus. Ich klammerte mich am Zaun fest und schlang die Arme und Beine drumherum und ließ nicht los. Die Stimme lachte nur. 'Komm, das kannst du später noch haben. Aber jetzt ist nicht die Zeit dafür. Und einen Wutanfall zu kriegen tut dir gar nicht gut: Und ohne mein Zutun schwebte ich über der Weide und hinein in den Tunnel und war auf dem Rückweg. Und ich schrie und kreischte, beißend und um mich schlagend, doch diese Hand führte mich sachte in den Tunnel hinunter, den ich hochgekommen war.<ref group="H">S.21-23</ref> | ||
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+ | ==== Rückkehr ==== | ||
+ | In einigen Nahtodeserfahrungen erscheinen die Wiederbelebungsmaßnahmen als Grund der Rückkehr. | ||
+ | : Nach der Adrenalin-Spritze, wahrscheinlich in dem Augenblick, als mein Herz zum ersten Schlag angeregt wurde, geschah das Schreckliche mit mir: ich fiel in eine schwarze Tiefe hinunter. Mit einem unheimlichen "Ruck" und "Schock" schlüpfte ich in meinen schwerverletzten Körper zurück. Alles Schöne war plötzlich weg. Ich spürte: ich muss zurück. Ich kam wieder zum Wachbewusstsein und spürte unbeschreibliche Schmerzen. Sofort danach fiel ich wieder in Ohnmacht vor Schmerz, jedoch als wiederbelebter Mensch.<ref group="O" name="5.3.1" /> | ||
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+ | Daneben gibt es aber auch diverse Fälle, bei denen während der Erfahrung eine Entscheidung für die Rückkehr getroffen wird. | ||
+ | * Eine Frau aus Los Angeles wurde schon zweimal in ihrem Leben von dem Lichtwesen vor diese Entscheidung gestellt. Ende der fünfziger Jahre, als sie nach einem Autounfall im Koma lag, sagte ihr das Lichtwesen, es sei jetzt Zeit für sie zu sterben und in den Himmel zu kommen. Die Frau wandte ein, sie sei zum Sterben noch viel zu jung. Das Lichtwesen ließ sich nicht erweichen, bis die Frau sagte: «Ich bin noch so jung, ich habe noch lange nicht genug getanzt!» Da lachte das Lichtwesen herzhaft und erlaubte ihr weiterzuleben. Ungefähr dreißig Jahre später erlitt sie während eines kleineren chirurgischen Eingriffs einen Herzstillstand. Wieder passierte sie den Tunnel und trat vor das Lichtwesen, und wieder sagte es ihr, es sei nun Zeit zu sterben. Diese Mal vertrat die Frau den Standpunkt, sie habe Kinder zu erziehen, die noch nicht alt genug seien, um ohne sie auskommen zu können. «Okay», sagte das Wesen. «Aber das ist das letzte Mal! Das nächste Mal musst du hierbleiben.»<ref group="M">S.32</ref> | ||
+ | * Ein Saltaux-Indianern, aus Kanada berichtet, dass er auf einem guten Weg zu einem Wigwam gegangen sei, wo er einen alten Mann gesehen habe, der ihn zum Wigwam seiner Eltern gebracht habe. Dort sei es zu einem Wiedersehen gekommen. Als der Jenseitsreisende an die eigenen Kinder dachte, wollte er wieder zurückkehren. Er fand den alten Mann zwar nicht mehr, hörte aber eine Stimme. Als er sich ihr näherte, hörte er seine Frau und seine Kinder weinen. Er wurde bewusstlos und wachte auf.<ref group="H">S.90</ref> | ||
+ | *"Wir gingen durch einen Tunnel und kamen in den Himmel. Da waren wunderbare Blumen. Ich war bei Gott und bei Jesus. Sie sagten, ich müsse zurück zu meiner Mutter, weil sie verzweifelt sei. Sie sagten, ich müsse mein Leben zu Ende leben. Dann bin ich zurückgekommen und aufgewacht."<ref group="M">S.73</ref> | ||
+ | |||
+ | In 72% der von Fenwick untersuchten amerikanischen Nahtodeserfahrungen wurde eine definitive Rückkehrentscheidung getroffen. Etwa die Hälfte der Beroffenen traf die Entscheidung selbst, für die andere Hälfte wurde sie getroffen. Rückkehrentscheidungen sind bei Kindern seltener (52%) und bei Jugendlichen (70%) und Erwachsenen (75%) zunehmend häufiger. Wobei Kinder und Erwachsene die Entscheidungen in der Hälfte der Fälle selber trafen, während das bei Jugendlichen nur in einem Drittel der Fälle vorkam.<ref group="F">S.97</ref> | ||
+ | |||
+ | In den von Pasricha untersuchten 28 Nahtodeserfahrungen aus indischen Dörfern wurden die Betroffenen in 83% der Fälle durch Boten zurückgebracht. In 62% der Nahtodeserfahrungen geschah das, da die Person noch nicht sterben sollte, bei 38%, da eine andere Person mit dem Sterben dran war und in einem Fall (4%) nicht aufgrund eines Fehlers. Nur einer wurde von Freunden zurückgeschickt (4%). Eine freie eigene Entscheidung kam nur in einem Fall (4%) vor.<ref name="1.24"/> | ||
+ | |||
+ | ==== Bestätigung des Erlebten ==== | ||
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+ | Die Betroffenen berichten immer wieder spontan, dass sich Informationen, die sie im Rahmen von Nahtodeserfahrungen gewonnen haben, bestätigten. Mit Abstand am Häufigsten tritt das für Elemente des Außerkörperlichen Erlebnisses auf, jedoch kann sich auch jede andere überprüfbare Information bestätigen.<ref group="Sa">S.111ff</ref> <ref group="M">S.33ff, S.126f</ref> <ref group="M1">S.106ff</ref> <ref group="S" name="1.6"/> <ref group="S" name="1.9"/> <ref name="Cook" /> <ref group="K" name="3.5.4" /> | ||
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+ | * Es war sehr merkwürdig, dass ich mich schwebend fühlte. Ja, ich schwebte wirklich. Ich befand mich über der Unfallstelle und sah dort meinen schwerverletzten, leblosen Körper liegen, genau in derselben Lage, wie ich das später von den Ärzten und aus den Polizeiberichten erfuhr. <br />(...)<br /> Dann wandte er sich dem anderen Arzt zu: "Wenn Sie, Herr Kollege, nichts dagegen haben, dann ..." Nun gab er mir eine Adrenalin-Spritze direkt ins Herz. Ich konnte das Gesicht dieses Mannes recht gut in mich aufnehmen.<br /> <br />Einige Tage später kam ein Herr in mein Spitalzimmer in Bellinzona. Er trug einen normalen Straßenanzug. Ich erkannte das Gesicht aber sofort wieder und begrüßte ihn mühsam mit: "Guten Tag Herr Doktor, warum haben Sie mir diese teuflische Spritze gegeben?" Ich konnte mich auch sehr gut an seine klare, deutliche Stimme erinnern. Er war verblüfft und fragte, wieso ich ihn kenne. Ich erzählte es ihm. Wir wurden später gute Freunde.<ref group="O" name="5.3.1" /> | ||
+ | |||
+ | * Ein Arzt aus South Dakota war auf dem Weg ins Krankenhaus eines Morgens auf einen anderen Wagen aufgefahren. Wegen des Unfalls machte er sich große Sorgen. Er befürchtete, dass die Insassen des anderen Wagens Schleudertraumata geltend machen und ihn auf ein hohes Schmerzensgeld verklagen würden. Der Arzt war in Gedanken noch ganz bei diesem bedrückenden Vorfall, als er in den Notfallraum eilte, um einen Patienten mit Herzstillstand wiederzubeleben. Am nächsten Tag erzählte ihm der gerettete Patient eine erstaunliche Geschichte: «Als Sie mich behandelten, bin ich aus meinem Körper rausgegangen und habe Ihnen bei der Arbeit zugesehen.» Der Arzt begann nachzufragen, was der Patient gesehen hatte, und wunderte sich über die Genauigkeit seiner Schilderung. Der Patient beschrieb Farbe und Form der Geräte und sogar die Zeigerstände der verschiedenen Armaturen. Es gelang dem Patienten schließlich, den jungen Herzspezialisten davon zu überzeugen, dass er die Wahrheit sagte, als er hinzufügte: «Herr Doktor, ich habe gemerkt, dass Sie sich wegen dieses Unfalls Sorgen gemacht haben. Aber Sie haben wirklich keinen Grund, sich Vorwürfe zu machen. Sie sind immer für andere da. Ihnen kann niemand etwas anhängen.» Dieser Patient hatte nicht nur die äußere Umgebung in allen Einzelheiten mitbekommen, sondern auch, was in dem Arzt vorging.<ref group="M">S.175-176</ref> | ||
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+ | * Ich erinnerte mich daran, wie ich mit Eric und einer Dame, die ich noch nie gesehen hatte, im Flur stand. Im Flur war eine offene Tür die zu einem langen Flur mit einem strahlenden Licht am Ende führte. die Lady sagte, dass Eric mit ihr gehen würde und dass ich durch jene Türen gehen sollte und zeigte auf die Notaufnahme.<br /> <br />Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, teilte man mir mit, dass Erik im Wrack gestorben war. Ich dachte, "nein weil ich mit ihm und der Dame gesprochen hatte". Später gingen einer meiner Freunde und ich zu Erik nach Hause um unser Beileid auszudrücken. Als wir ins Haus gingen, bemerkte ich ein Bild der Dame, die bei Eric gewesen war und fragte wer sie war. Mir wurde gesagt, dass sie Erics Großmutter sei, die vor vielen Jahren gestorben sei.<ref group="N" name="1438.">1438. ''John P NDE'' 1/3/2008</ref> | ||
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+ | === Die Sinne === | ||
+ | ==== Sehen in Nahtodeserfahrungen ==== | ||
+ | Während einige Betroffene auf Nachfrage sagen, sie hätten in ihrer außerkörperlichen Erfahrungen ganz normal gesehen, genau so wie im Alltag, nennen andere Eigenarten ihrer Wahrnehmung, die mit dem körperlichen Sehen so auftreten.<ref group="Ri">S.96ff</ref> | ||
+ | * Im Außerkörperlichen Erlebnis: "Alles in allem war es sehr interessant mich 'unten' sterben zu sehen bzw. von oben her als Zuschauer, ohne Emotionen, in einem himmlischen Zustand alles genauestens beobachten zu können, da ich ja 'weiterlebte'. Meine nicht-materiellen Sinnesorgane funktionierten gut und mein Gedächtnis registrierte alles. Ich konnte auch denken und Entscheidungen fällen und spürte kein irdisches Hindernis. Ich schwebte in ca. 3 m Höhe über der Unfallstelle - in einem mehrdimensionalen Raum."<ref group="O" name="5.3.1"/> | ||
+ | |||
+ | In Jenseitserfahrungen taucht oft die Aussage auf, das Licht wäre schwer zu beschreiben, seltener werden Farben erwähnt, die es real nicht gibt. | ||
+ | *"Ich befand mich wie auf einer Ebene, die wie eine Bühne aussah und in der hinteren rechten Ecke eröffnete sich ein Tunnel oder eine Röhre aus welcher ein Licht in einer Dimension erstrahlte, wie man es nicht oder schlecht beschreiben kann."<ref group="S" name="1.5"/> | ||
+ | *"Unterwegs gab es viele Blumen, deren Namen ich nicht kannte, und ich fragte, wie sie hießen, und pflückte welche im Gehen. Und dabei redete ich mit diesem blendenden weißen Licht, das alle Farben hatte und gleichzeitig gar keine Farbe."<ref group="H">S.22</ref> | ||
+ | *"So ein Licht, heller als alles was ich je gesehen habe. Ich kann nicht in Worte fassen wie wundervoll, kraftvoll und lebendig es sich anfühlte. Es fühlte sich wie pulsierende Farbstrahlen an, die so lebendig waren. Einige der Farben habe ich nie zuvor gesehen."<ref group="H">S.67</ref> | ||
+ | |||
+ | Positive Gefühle sind oft mit leuchtenden klaren Farben verbunden, negative mit trüben und dunklen Farben. | ||
+ | *"Ich stand auf einer kleinen und sehr gefährlichen schwarzen Insel in einem schwarzen Fluss, der durch eine schwarze Landschaft unter einem schwarzen Himmel führte. Gerade als ich den Fluss überquerten wollte, erhob sich eine schwarze Krake aus dem schwarzen Wasser vor mir."<ref group="H">S.59f</ref> | ||
+ | *"Die Farben im Raum verblichen zu einem trüben Grauschwarz. Wirbelnde Energiemuster lenkten Garys Aufmerksamkeit zum nordwestlichen Bereich des Operationsraumes. Es donnerte, als sich der Tunnel formte und zog ihm zu seinem Zentrum. Das Geräusch erinnerte an das Triebwerk eines Düsenjets, wenn man danebensteht. Gary fühlte große Angst, vielleicht Panik."<ref group="H">S.59</ref> | ||
+ | |||
+ | ==== Geräusche ==== | ||
+ | Einige Erlebende nehmen in der Nahtodeserfahrung Geräusche wahr, das kann ein Brausen, Rauschen oder auch Glockengeläut oder Musik sein und von kaum wahrnehmbar bis unvorstellbar laut rangieren. Ebenso können Geräusche die gesamte Bandbeite der Gefühle von unvorstellbar schön bis unvorstellbar schrecklich auslösen.<ref group="M" name="S.27"/> <ref group="H" name="S.58"/> | ||
+ | |||
+ | Eine Wahrnehmung von Musik kam in 20-24% der Nahtodeserfahrungen vor.<ref name="1.5" group="S" /> <ref name="1.19" group="S" /> <ref group="F" name="S.88"/> | ||
+ | |||
+ | Im Tunnelerlebnis | ||
+ | * Ich konnte Geräusche im Dunkel hören. Es klang wie die Notaufnahme eines Krankenhauses. Dort waren verzweifelte Menschen und ein dichter Nebel. Ich konnte weinen und herumhuschen hören. Ich wusste, wenn die Menschen nur zum Licht aufschauen würden, würden sie aus dem Nebel erhoben, aber sie waren zu störrisch dazu. Sie würden es nicht tun. Seither frage ich mich, ob das vielleicht die Hölle war.<ref group="H" name="S.60"/> | ||
+ | * Die Erfahrung war Atemberaubend - die Stille wunderschön. Kaum hörbar in der Ferne war die kaum wahrnehmbare Andeutung wunderschöner Musik, jenseits von allem, was ich auf der Erde gehört habe. <ref group="H" name="S.59"/> | ||
+ | *"...Ich schien durchs Universum zu rasen! Das war auch ein gewaltiger Klang. Es war als würden alle großen Orchester der Welt gleichzeitig spielen; keine besondere Melodie und sehr laut. Kraftvoll aber irgendwie beruhigend."<ref group="H" name="S.59"/> | ||
+ | |||
+ | In einer Jenseitsvision | ||
+ | * In einer Paradieswelt: "Töne, die einer himmlischen Musik glichen und das Gefühl einer nie erlebten Glückseligkeit auslösten. ... Lange Zeit konnte ich über dieses Erleben mit niemandem sprechen. Aber immer wieder erlebte ich es von neuem in mir: ... die beseligende Musik, die keine Melodie im eigentlichen Sinn war, sondern einfach nur Schwingungen, die die Seele ansprachen und zu diesem euphorischen Zustand führten. ..."<ref name="5.3.4" group="O" /> | ||
+ | |||
+ | ==== Tastempfindungen ==== | ||
+ | Tastempfindungen sind selten, treten aber vermehrt in Nahtodeserfahrungen von Blinden auf.<ref group="Ri">S.97ff</ref> | ||
+ | |||
+ | === Erlebnisqualität === | ||
+ | ==== Unaussprechlichkeit des Erlebten ==== | ||
+ | Gelegentlich äußern Betroffene, dass es schwierig sei, Nahtodes-Erlebnisse in Worte zu fassen. | ||
+ | <ref name="1.6" group="S"/> <ref name="1.9" group="S" /> <ref group="M1" name="S.31f"/> | ||
+ | *"Als wir in das Licht kamen, habe ich ihre Gesichter gesehen. Es ist schwer zu erklären, weil es ganz anders ist als das Leben auf der Welt. Ich habe keine Worte dafür. Es sah so aus, als ob sie lange, strahlendweiße Kleider anhätten. Alles war voller Licht."<ref group="M" name="S.75"/> | ||
+ | *"Ich befand mich wie auf einer Ebene, die wie eine Bühne aussah und in der hinteren rechten Ecke eröffnete sich ein Tunnel oder eine Röhre aus welcher ein Licht in einer Dimension erstrahlte, wie man es nicht oder schlecht beschreiben kann."<ref group="S" name="1.5" /> | ||
+ | * Es fällt mir schwer, für das, was ich jetzt schildern will, die richtigen Worte zu finden. Ich denke, Worte sind für das, was jetzt kam nicht genug.<ref group="I" name="5.1.2"/> | ||
+ | |||
+ | Auf die direkte Frage, ob sie meinten, dass ihr Bericht ihre Erfahrung verständlich und akkurat beschreibt, antworteten in einer von Jeffrey P. Long und Jody A. Long gemachten Befragung 79,9% mit Ja, 9,8% mit nein und 10,3% waren sich unsicher. dass sie schlecht in Worte zu fassen sind, trifft offensichtlich nur auf einen Teil der Erfahrungen zu.<ref group="N" name="x"/> | ||
+ | |||
+ | ==== Gefühl von Frieden und Ruhe ==== | ||
+ | Für viele Menschen, die eine Nahtodeserfahrung hatten, sind überwältigende Gefühle von Frieden, Freude und Glücksseligkeit der bemerkenswerteste Teil der Erfahrung. Jeglicher Schmerz verschwindet oft mit Beginn der Nahtodeserfahrung.<ref group="F">S.9</ref> <ref group="M" name="S.25"/> <ref group="M1" name="S.34f"/> <ref group="Sa">S.36ff</ref> | ||
+ | |||
+ | Da 88% der von ihm befragten Personen Gefühle von Ruhe, Frieden oder Glück empfanden und diese Gefühle damit wesentlich regelmäßiger auftraten als jedes andere Element der Nahtodeserfahrung, nahm Fenwick an, dass diese Gefühle das zentrale Element der Nahtodeserfahrung seien. Tatsächlich schwankt die Häufigkeit dieses Elementes zwischen den Untersuchungen auch innerhalb derselben Kultur sehr stark zwischen 100% und 32%. <ref group="F">S.69</ref> <ref group="M">S.35-41, S.22, S.187,</ref> <ref group="Sa">S.271</ref> <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.19" /> <ref group="K2" name="1.14" /> | ||
+ | |||
+ | In seinem Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland wies Knoblauch nach, dass gerade die Gefühlslage während der Nahtodeserfahrung kulturabhängig ist. Während Westdeutsche zu 59,5% ein wunderbares und zu 28,6% ein schreckliches Gefühl hatten, war das Verhältnis bei Ostdeutschen mit in 40% der Erfahrungen ein wunderbares und in 60% ein schreckliches Gefühl beinahe umgekehrt. Knoblauch wählte jedoch eine sehr unscharfe Definition für Nahtodeserfahrungen, die beispielsweise auch [[Oneiroide]] einschließt, was das Ergebnis verfälscht haben könnte. Bei den vorhandenen Jenseitsvisionen hatten die Ostdeutschen dann auch drei mal so viele Himmlische Welten wie Welten böser Mächte gesehen, während es bei den Westdeutschen nur 2,7 mal so viele waren. Schröter Kunhardt, der scharf zwischen Oneiroiden und Nahtodeserfahrungen differenziert, fand bei seinen hundert gesammelten Fällen von deutschen Nahtodeserfahrungen dann auch mit 89% einen ähnlich hohen Anteil positiver Gefühle wie Fenwick.<ref group="K2" name="1.14" /> <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.19" /> | ||
+ | |||
+ | Bei Totenbettvisionen wiesen Osis und Haraldson nach, dass Inder wesentlich häufiger nicht mit den Erscheinungen mitgehen wollten, die sie in eine andere Welt holen wollten als Amerikaner, und Inder äußerten auch wesentlich häufiger negative Gefühle gegenüber diesen.<ref group="Os">S.122, S.146</ref> | ||
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+ | ==== Präkognition und Allwissenheitsempfinden in Nahtodeserfahrungen ==== | ||
+ | In etwa 3%- bis 6% der Nahtodeserlebnisse werden auch präkognitiv Teile der eigenen oder globalen Zukunft gesehen, die später zuweilen tatsächlich wahr werden. <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.8">[http://www.familie-zwoelfer.de/nahtod/jenseits.htm M.Schröter-Kunhardt: ''Das Jenseits in uns.'' PSYCHOLOGIE HEUTE 6/1993, S. 64-69]</ref> <ref group="S" name="1.19" /> <ref group="M" name="S.22"/> <ref group="H">S.305ff</ref> | ||
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+ | * Moody erzählt Folgendes: "Es war Halloween, und Louise, meine damalige Frau, ging mit den Kindern in ihren Kostümen in der Nachbarschaft von Haus zu Haus. In einem Haus empfing sie ein Ehepaar sehr liebenswürdig und begann mit den Kindern ein Gespräch. Sie fragten die Kinder nach ihren Namen, und als mein Ältester 'Raymond A very Moody, der Dritte' sagte, blickte die Frau überrascht. 'Ich muss mit Ihrem Mann sprechen', sagte sie zu Louise. Als ich später mit dieser Frau sprach, erzählte sie mir von ihrem Todesnähe-Erlebnis, das sie 1971 gehabt hatte. Während einer Operation waren bei ihr Herzversagen und Lungenkollaps eingetreten, die Frau war lange Zeit klinisch tot gewesen. In diesem Zeitraum traf sie in einem Todesnähe-Erlebnis auf einen Führer, der ihr einen Lebensrückblick vorführte und ihr Auskunft über ihre Zukunft gab. Gegen Ende wurde ihr ein Bild von mir gezeigt, mein voller Name genannt und der Hinweis gegeben, «wenn die Zeit reif sei», würde sie mir ihre Geschichte erzählen. Ich fand diese Begegnung erstaunlich."<ref group="M">S.42</ref> | ||
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+ | Ring untersuchte einige globale Vorhersagen. Sie betrafen den Ausbruch von Vulkanen, Erdbeben, Naturkatastrophen sowie Hungersnöte und Nuklearkriege. Daneben war auch von einer "Ära der Brüderlichkeit" die Rede und von einem Frieden, der die Welt umspannen wird. In den geschilderten Fällen stellt sich das Szenario zudem als ein nicht abwendbares Schicksal dar. Die vorhergesehenen Ereignisse sollten oft 1977 eintreten, aber keine der Prophezeiungen, die sich auf hinreichend konkrete Begebenheiten bezogen hatte, erfüllte sich. Ebenfalls ohne Überraschung sind die allgemeineren Vorhersagen geblieben. Die prognostizierten Entwicklungen waren von ihrer Art her meist absehbar und lassen sich eher als Ausdruck einer seinerzeit vorherrschenden Erwartungshaltung verstehen, die als subjektiver Faktor in das Erlebnis einfließen konnte.<ref group="H">S.75 + 306-307</ref> | ||
+ | |||
+ | Manche Experiencer haben berichtet, sie hätten während ihrer Erfahrung Zugang zu umfassendem Wissen gehabt. In Nahtodeserfahrungen taucht dieses Gefühl der Allwissenheit in 33% der Fälle auf. Die betreffenden Personen können nach der Nahtodeserfahrung auf dieses Wissen nicht mehr zugreifen und erinnern sich nur noch an dieses Gefühl der Allwissenheit. | ||
+ | <ref group="S" name="1.5" /> <ref group="S" name="1.19" /> <ref group="H">S.304-305</ref> | ||
+ | *"...Ich bekam all die Antworten, die ich wollte. Ich sah, dass es einen Plan gab und dass alles aus gutem Grund geschieht... darüber hinaus kam ich an einen Punkt, wo ich keine weiteren Fragen hatte, weil ich irgendwie den gesamten Plan wusste. Es war wie ein Erinnern, meine Seele hatte diese Weisheit vergessen gehabt..."<ref group="H">S.74</ref> | ||
+ | |||
+ | Aus Todesnähe Zurückgekehrte haben eine neue Achtung vor dem Wissen. Manche sagen, dies sei die Folge der Rückschau auf ihr bisheriges Leben. Das Lichtwesen habe ihnen erklärt, das Lernen sei mit dem Tod nicht zu Ende, Wissen sei etwas, das wir mit uns nehmen könnten.<ref group="M">S.55</ref> | ||
+ | |||
+ | Zusammengefasst wird klar, dass es weder echte Präkognition noch vollständige Allwissenheit im Jenseits gibt, möglicherweise ist während einer Nahtodeserfahrung jedoch deutlich mehr Wissen dem Bewusstsein zugänglich als im Alltag und dadurch entsteht der falsche Eindruck der Allwissenheit. | ||
+ | |||
+ | === Lebensveränderungen und neue Sicht des Todes === | ||
+ | ==== Verminderte Angst vorm Tod ==== | ||
+ | Zu den durchgängigsten und stärksten Veränderungen im Weltbild von Menschen, die ein Nahtodeserlebnis hatten, zählt, dass sie danach stärker an ein Leben nach dem Tod glauben als vorher. Je länger die lebensgefährliche Situation her ist, desto größer ist diesbezüglich der Unterschied zwischen denen, die eine Nahtodeserfahrung hatten und denen, die keine hatten. <ref group="L" name="1.1"/> <ref group="S" name="1.5"/> <ref name="1.7"/> <ref group="S" name="1.8"/> <ref name="2.1"/> | ||
+ | |||
+ | Auch pathologische Trauerreaktionen auf den Tod von Angehörigen nehmen deutlich ab, da man von deren Weiterexistenz zu wissen glaubt.<ref group="S" name="1.10"/> | ||
+ | |||
+ | ==== Religiosität, Spiritualität ==== | ||
+ | Nahtodeserfahrungen führen dazu, dass die betroffenen nach dieser Erfahrung spirituelle Werte wichtiger nehmen als zuvor. Viele Menschen sind nach einem Sterbeerlebnis von der Existenz Gottes überzeugt und geben religiösen und ethischen Werten in ihrem Leben Vorrang vor allem anderen. Im Gegensatz dazu betrachten Menschen, die keine solche Erfahrung hatten, Situationen wo sie in Lebensgefahr schwebten hauptsächlich als ein körperliches Problem. <ref group="S" name="1.5"/> <ref group="S" name="1.8"/> <ref group="S" name="1.9"/> <ref group="S" name="1.10"/> <ref group="Gr" name="1.11"/> <ref name="2.1"/> <ref name="2.8"/> | ||
+ | |||
+ | Nah-Todeserfahrungen weisen alle religions- und kulturunabhängigen Eigenschaften mystischer Erfahrungen auf: Einheits-Erleben, Transzendenz von Zeit und Raum, tief empfundene positive Stimmung, Gefühl der Heiligkeit, der Objektivität und Realität, Unaussprechlichkeit, Paradoxie und Flüchtigkeit des Erlebens sowie anhaltende positive Veränderung in Einstellung und Verhalten. Damit sind Nahtodeserlebnisse die häufigsten mystischen Erfahrungen überhaupt. <ref group="S" name="1.6"/> <ref group="S" name="1.9"/> | ||
+ | |||
+ | ==== Soziales ==== | ||
+ | |||
+ | Zu den Wert- und Lebensveränderungen zählen bei den bisher untersuchten, meist christlichen Menschen die ein Nahtodeserlebnis hatten eine größere Liebe zu allen und allem, größere Verbundenheit und mehr Mitgefühl mit anderen Menschen. Die Beziehungen zu anderen werden wichtiger genommen als bisher und äußerlich-materialistischen Werten wird weniger Bedeutung beigemessen. Eine Hinwendung zu sozial-karitativen Tätigkeiten, eine höhere Wertschätzung von Sinnfragen, aber auch der eigenen Person und der Kürze und Kostbarkeit der Lebenszeit werden beschrieben. Damit geht ein erhöhtes Verantwortungsgefühl, eine Suche nach (Selbst-)Erkenntnis und Wissen und zuweilen eine Ästhetisierung von Natur- und Musikempfinden einher. Außerdem nehmen intuitive, präkognitive und außerkörperliche Erfahrungen zu. Gelegentlich kommt es auch zur Heilung psychischer Störungen, zuweilen gar zur völligen Kehrwendung von Verbrechern.<ref group="S" name="1.10"/> | ||
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